Azulejos: Kunstvoll bemalte Fliesen in Portugal

Portugiesische Fliesen

Portugal: Das Land der Fliesen

„Portugal ist das Land Europas, in dem es bei weitem die meisten Fliesenwandbekleidungen gab und man sie auch heute noch vielerorts findet. In neunzig Prozent der portugiesischen Kirchen, Kapellen und Klöster, in fünfundsiebzig Prozent der Herren- und Lusthäuser und an einigen tausend Fassaden - nicht nur auf der Halbinsel selbst, sondern auch auf den Inseln, den Azoren und Madeira - sind die Azulejos noch heute so erhalten, wie sie im Laufe der Jahrhunderte angebracht wurden. Auch jetzt noch nimmt die Azulejo-Kunst in Portugal einen der ersten Plätze ein, und man sagt, die Portugiesen könnten sie nicht entbehren."

João Miguel dos Santos Simões in dem Buch 'Fliesen' (München 1964)

Kunsthistoriker (1907-1927)

Portugiesische Fliesen: Die polierten Steinchen

Das Wort Azulejos kommt nicht vom naheliegenden portugiesischen Wort "azul" für blau, sondern aus dem Arabischen. Der Begriff leitet sich von "al zuléija" ab, was so viel wie "poliertes Steinchen" bedeutet.

Azulejos: Portugiesische Fliesen

Kein Volk der Erde hat sich über Jahrhunderte derart intensiv mit der Kunst der Fliesenmalerei auseinandergesetzt wie Portugal. Die Fliese ist dort nicht einfach nur Baumaterial, sondern vielmehr Gebäudeschmuck. Azulejos an der Fassade schützen nicht nur vor Hitze und Feuchtigkeit. Die bemalten Kacheln zaubern auch bunten Glanz in viele portugiesische Städte.

In Lissabon sieht man sie überall: in Kirchen, an Häuserwänden und Mauern und sogar auf Parkbänken. Das wahre Mekka für Azulejos-Fans ist jedoch die Metro. Seit den sechziger Jahren gestalten namhafte Künstler die einzelnen Stationen, wie z.B. die Haltestelle Oriente, die bunte organische Formen von Friedensreich Hundertwasser schmückt.

Auch ein eigenes Museum, das „Museu Nacional do Azulejo“ in Lissabon, ist den Azulejos gewidmet, die Sammlung gibt einen Überblick über die Entwicklung der Kachelkunst im Zuge der Jahrhunderte. Dort ist eines der beeindruckendsten Kunstwerke aus den kleinen Fliesen zu bewundern: das fast 23 Meter lange "Grande Panorama de Lisboa". Es zeigt die portugiesische Metropole vor dem Erdbeben von 1755 vom Tejo aus. Die Künstler haben die Stadt mit all ihren Details festgehalten. Das Fliesengemälde trug deshalb auch dazu bei, dass Lissabon nach dem Erdbeben von 1755 in großen Teilen wieder originalgetreu aufgebaut werden konnte.

Fassade mit grünen Fliesen in Portugal
Fassade mit grünen Fliesen in Portugal: Azulejos
Kunstvolle portugiesische Fliesen an Fassade in Porto
Kunstvolle portugiesische Fliesen an einer Fassade in Porto
Klassisch bemalte Azulejos im Bahnhof von Porto
Klassisch bemalte Azulejos im Bahnhof von Porto

Maurische Herkunft: Fliesen in Portugal

Dabei haben die kunstvollen Fliesen ihren Ursprung gar nicht in Portugal. Die Mauren brachten sie zunächst nach Spanien und nutzten die Fliesen im Mittelalter zur Verzierung von Böden und Wänden.

Dass die Azulejos später auch in Portugal produziert wurden, geht auf König Manuel I. zurück. 1498 lernte er die Fliesen in Andalusien in geschmückten Palasträumen kennen und bestellte 10000 Stück davon für seinen eigenen Palast. Daraufhin entwickelten sich die ausgefallenen Kacheln zum Kassenschlager.

Vielseitige Dekore mit Azulejos

Bei den ursprünglichen Azulejos trennten kleine Stege und Gräben die einzelnen Flächen. Sie verhinderten, dass die Farben ineinanderliefen und verliehen den Fliesen eine reliefartige Oberfläche. Später gab es gegen das Verlaufen eine spezielle Unterglasur.

Die ersten Azulejos waren ausschließlich mit Ornamenten bemalt. Später kamen gegenständliche Bilder dazu. Motivideen dafür brachten die portugiesischen Seefahrer mit. In den folgenden Jahrhunderten richteten sich die Dekore der Azulejos immer auch nach den aktuellen Stilrichtungen.

Industrielle Fertigung von Fliesen

Im 19. Jahrhundert machte es der Siebdruck möglich, dass Azulejos industriell hergestellt werden konnten und damit günstiger wurden. Die Folge war, dass sie nun nicht mehr nur Paläste und Fassaden der Bürgerhäuser schmückten bzw. vorwiegend im Gebäudeinneren eingesetzt wurden, sondern auch Fabrikgebäude und Mietshäuser mit den glänzenden Kacheln verziert wurden.

Gerade weil die Azulejos so weit verbreitet sind, kann man an ihnen auch den Verfall der Stadt beobachten. Kritiker beklagen, dass es keinerlei Konzepte gebe, um die Kunstwerke an den Fassaden zu erhalten.

C+S Fliesentrends aus Portugal

In unserem umfangreichen Fliesensortiment finden Sie auch zahlreiche Fliesen aus portugiesischen Werken. Diese sind zwar zeitlos und modern, stehen aber in der Geschichte der traditionellen Azulejos. So kommt ein wenig portugiesisches Flair auch in Ihr Zuhause!